Strokes Gained erklärt – die wichtigste Statistik im modernen Golf

Ladevorgang...
- Mark Broadie hatte eine Idee, die Golf für immer verändert hat
- Das Grundprinzip – jeder Schlag gegen das Feld gemessen
- Off the Tee, Approach, Around the Green, Putting – vier Kategorien, ein Spielerprofil
- Total Strokes Gained und was es über einen Spieler aussagt
- Wo du Strokes-Gained-Daten kostenlos findest
- Strokes Gained lesen heißt Golfspieler verstehen
Mark Broadie hatte eine Idee, die Golf für immer verändert hat
Vor etwa zwanzig Jahren stellte ein Columbia-Professor namens Mark Broadie eine Frage, die niemand in der Golfwelt beantworten konnte: Wie misst man objektiv, welcher Teil des Spiels eines Golfers wirklich gut ist – und welcher nur durchschnittlich? Die herkömmlichen Statistiken – Fairway-Trefferquote, Grüns in Regulation, Putts pro Runde – waren unpräzis und teilweise irreführend. Ein Spieler mit 28 Putts pro Runde war nicht unbedingt ein guter Putter – vielleicht traf er einfach viele Grüns aus kurzer Distanz und hatte leichte Putts.
Matt Courchene, Gründer von DataGolf, hat es so zusammengefasst: Die Golf-Analytik machte einen gewaltigen Sprung nach vorne, als Broadie das Strokes-Gained-Konzept entwickelte – aber verglichen mit dem, was in Baseball oder Football an analytischer Gemeinschaft existiert, hat Golf noch enormen Nachholbedarf. Genau diese Lücke ist für Wetter eine Chance: Wer Strokes Gained versteht und nutzt, hat einen Informationsvorsprung, den die meisten Gelegenheitswetter nicht haben.
Das Grundprinzip – jeder Schlag gegen das Feld gemessen
Stell dir vor, du stehst auf dem Fairway, 150 Meter vom Loch entfernt. Wie viele Schläge braucht ein durchschnittlicher PGA-Tour-Spieler von dieser Position, um den Ball einzulochen? Die Antwort, ermittelt aus Millionen von Schlägen: ungefähr 2,85 Schläge. Wenn du aus dieser Position in zwei Schlägen einlochst, hast du 0,85 Schläge gegenüber dem Felddurchschnitt gewonnen – also 0,85 Strokes Gained.
Das Prinzip funktioniert für jede Situation auf dem Platz: vom Tee, aus dem Rough, aus dem Bunker, auf dem Grün. Für jeden Schlag wird die erwartete Restschlagzahl vor dem Schlag mit der erwarteten Restschlagzahl nach dem Schlag verglichen. Die Differenz ist der Strokes-Gained-Wert dieses einzelnen Schlags. Über eine komplette Runde summiert, ergibt sich das SG-Profil eines Spielers.
Warum ist das besser als traditionelle Statistiken? Weil es den Kontext berücksichtigt. Ein Putt aus 10 Metern, der knapp verfehlt wird, kostet in traditionellen Statistiken genau so viel wie ein verfehlter Putt aus 1 Meter – beides zählt als „nicht eingelocht“. Strokes Gained bewertet den 10-Meter-Putt als schwierig und den 1-Meter-Putt als leicht. Der Spieler, der den 10-Meter-Putt knapp verfehlt, verliert wenig SG Putting. Der Spieler, der den 1-Meter-Putt verfehlt, verliert viel. So entsteht ein ehrlicheres Bild der tatsächlichen Spielstärke.
Off the Tee, Approach, Around the Green, Putting – vier Kategorien, ein Spielerprofil
Strokes Gained wird in vier Kategorien aufgeteilt, die zusammen das vollständige Spielerprofil ergeben. Jede Kategorie misst einen anderen Aspekt des Golfspiels und hat unterschiedliche Relevanz für Wetten.
SG Off the Tee erfasst die Qualität der Abschläge – Länge und Genauigkeit kombiniert. Ein hoher Wert bedeutet, dass der Spieler sich vom Tee in bessere Positionen bringt als der Felddurchschnitt. Für Wetter ist diese Kategorie besonders auf langen, engen Plätzen relevant, wo unpräzise Drives in dichtem Rough landen und den gesamten Score belasten.
SG Approach misst die Qualität der Annäherungsschläge – also aller Schläge, die auf das Grün zielen (Abschläge auf Par 3 eingeschlossen). Der durchschnittliche Augusta-National-Gewinner seit 2017 gewinnt 5,8 Strokes Gained auf Approach – der höchste Wert aller vier Kategorien. Approach macht fast 30 Prozent aller Strokes Gained bei den Top-5-Finishern in Augusta über die letzten fünf Jahre aus. Für Wetter ist SG Approach die statistisch aussagekräftigste Kategorie, weil sie über mehrere Turniere am stabilsten ist.
SG Around the Green umfasst alle Schläge rund ums Grün – Chips, Pitches, Bunker-Schläge. Diese Kategorie ist schwerer zu analysieren, weil sie seltener zum Einsatz kommt und die Datenmenge pro Spieler kleiner ist. Trotzdem ist sie auf Plätzen mit kleinen, stark konturierten Grüns ein Differenzierungsfaktor – Augusta National ist ein Paradebeispiel.
SG Putting misst die Qualität auf dem Grün. Hier wird es für Wetter kompliziert: Putting ist die volatilste aller vier Kategorien. Ein Spieler kann in einer Woche 3 Strokes Gained Putting gewinnen und in der nächsten 2 verlieren, ohne dass sich an seiner Technik etwas geändert hat. Langfristig mittelt sich Putting stärker zum Durchschnitt zurück als die anderen Kategorien. Das heißt für die Wettanalyse: Überbewerte einen einzelnen guten Putting-Wert nicht, und unterschätze einen schlechten nicht.
Total Strokes Gained und was es über einen Spieler aussagt
Total Strokes Gained – die Summe aller vier Kategorien – ist die beste einzelne Kennzahl für die Gesamtstärke eines Golfspielers. Scottie Scheffler rangierte 2025 auf Platz 2 im Total SG der PGA Tour mit einem Wert von 2,135 – das bedeutet, er spielte pro Runde im Schnitt 2,135 Schläge besser als der Felddurchschnitt. Über vier Turnierrunden sind das 8,5 Schläge Vorsprung, was bei den meisten Turnieren für einen Platz in den Top 5 reicht.
Für Wetter ist Total SG der schnellste Weg, das Feld zu filtern. Spieler mit einem Total SG über 1,5 gehören zur absoluten Spitze und sind potenzielle Turnierfavoriten. Spieler zwischen 0,5 und 1,5 sind solide Tour-Profis mit gelegentlichen Spitzenleistungen. Spieler unter 0,5 kämpfen eher um den Cut als um den Sieg.
Aber Total SG allein reicht für eine Wettentscheidung nicht aus. Ein Spieler mit Total SG von 1,8, der seinen Wert hauptsächlich durch Putting erzielt, ist riskanter als ein Spieler mit 1,5, der seine Stärken gleichmäßig auf Approach und Off the Tee verteilt – weil die Putting-Leistung weniger vorhersagbar ist. Die Aufteilung auf die vier Kategorien ist für Wetter mindestens so wichtig wie der Gesamtwert.
Wo du Strokes-Gained-Daten kostenlos findest
Die gute Nachricht: Strokes-Gained-Daten sind für PGA-Tour-Events kostenlos und öffentlich zugänglich. Die offizielle PGA-Tour-Statistikseite veröffentlicht wöchentlich aktualisierte SG-Werte in allen vier Kategorien, sortierbar nach Zeitraum. LIV Golf fügte Anfang 2025 Shot-Level-Daten zu ihren Leaderboards hinzu, rückwirkend bis 2024 – die Strokes-Gained-Berechnung für LIV-Events befindet sich allerdings noch im Aufbau.
DataGolf geht einen Schritt weiter und kombiniert die Rohdaten zu eigenen Modellen, die Spielerstärke nach Platztyp, Feldstärke und Zeitraum gewichten. Die Basisversion ist kostenlos nutzbar und bietet SG-Rankings, Turnierprognosen und historische Vergleiche. Für detailliertere Analysen – etwa SG unter bestimmten Wetterbedingungen oder auf bestimmten Platztypen – gibt es kostenpflichtige Optionen.
Für die DP World Tour ist die Datenlage dünner. Es gibt kein flächendeckendes ShotLink-System, und die verfügbaren Strokes-Gained-Statistiken basieren teilweise auf Schätzungen statt auf vollständigen Shot-Level-Daten. Wer auf DP-World-Tour-Events wettet, muss mit weniger granularen Daten arbeiten und stärker auf allgemeine Formwerte und Turnierplatzierungen zurückgreifen.
Strokes Gained lesen heißt Golfspieler verstehen
Strokes Gained hat die Art, wie ich Golf betrachte, fundamental verändert – und damit auch die Art, wie ich wette. Es ist der Unterschied zwischen „Der Spieler ist gut“ und „Der Spieler gewinnt 1,8 Schläge pro Runde, davon 0,7 durch Approach auf Parkland-Plätzen“. Wer sich mit der Strokes-Gained-Strategie für Golf-Wetten beschäftigt, baut sich ein Analysefundament, das in keinem Tippforum zu finden ist.
Was bedeutet ein negativer Strokes-Gained-Wert?
Ein negativer SG-Wert bedeutet, dass der Spieler in dieser Kategorie schlechter spielt als der Felddurchschnitt. Ein SG Putting von -0,5 heißt: Der Spieler verliert pro Runde einen halben Schlag gegenüber dem Feld allein durch sein Putting. Negative Werte sind nicht ungewöhnlich – die meisten Spieler haben mindestens eine schwache Kategorie.
Welche Strokes-Gained-Kategorie hat den größten Einfluss auf das Turnierergebnis?
SG Approach hat statistisch den größten und stabilsten Einfluss. Bei den Top-5-Finishern in Augusta macht das Approach-Spiel fast 30 Prozent aller gewonnenen Strokes Gained aus. Approach-Werte sind über mehrere Turniere hinweg stabiler als Putting und daher für Wettprognosen zuverlässiger.
Gibt es Strokes-Gained-Daten auch für die DP World Tour?
Teilweise. Die DP World Tour veröffentlicht Strokes-Gained-Statistiken, aber die Datenbasis ist weniger umfangreich als bei der PGA Tour, weil kein flächendeckendes Shot-Tracking-System existiert. Für eine detaillierte SG-Analyse bei europäischen Turnieren sind die Daten weniger granular als bei PGA-Tour-Events.
Erstellt von der Redaktion von „Golf-wetten“.
